Im Hardturm sind die Bagger am Werk
Dokumentation
Bild-Reportage über den Abbruch des alten Fussballstadions in Zürich. https://web.archive.org/web/20081207091122/http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Im-Hardturm-sind-die-Bagger-am-Werk/story/28644353 Mit dem Abbruch des Zürcher Hardturms geht ein Stück Sportgeschichte zu Ende. Das Fussball-Stadion wurde 1929 erbaut in zweijähriger Bauzeit errichtet. Neben einer eigentlichen Tribüne wurden für die Zuschauer Erdrampen angelegt. Das Fassungsvermögen betrug 27 500 Personen. Eine Laufbahn rundete das Stadion ab, wie dem Neujahrsblatt 2005 der CVP-Sektion des Zürcher Stadtkreises 5 zu entnehmen ist. GC und Länderspiele Das Stadion im Westen von Zürich machte sich vor allem als Heimstätte der Zürcher Grasshoppers einen Namen. 27 Mal Schweizer Meister und 18 Mal Cupsieger lautet die eindrückliche Bilanz des Klubs. Allerdings wurde ein Teil dieser Titel schon vor dem Bau des Hardturms gewonnen. Auch die Nationalmannschaft trug immer wieder Spiele im Hardturm aus. Das erste Länderspiel fand am 4. Mai 1930 statt. Angeblich blühte der Schwarzmarkt in der Vorwoche. Im noblen Hotel «Baur au Lac» sollen Preise von über 200 Franken geboten worden sein. An der Fussball-WM 1954, als Deutschland das «Wunder von Bern» schaffte, fanden im Zürcher Hardturm fünf Spiele statt. Am 11. April 1956 kam es zu einer Premiere: Das Spiel Schweiz gegen Brasilien (1:1) war das erste in der Schweiz, das bei Flutlicht stattfand. Für Nati-Fans bleibt auch der 17. November 1993 in Erinnerung. Mit einem 4:0-Sieg über Estland qualifizierte sich die Schweiz nach 28 Jahren wieder für eine Weltmeisterschaft. Später war es noch einmal der GC, der mit Champions-League-Spielen gegen Real Madrid und Ajax Amsterdam die letzten sportlichen Glanzpunkte setzte. Zwei Brände Aufregung herrschte im Hardturm nicht nur wegen des Sports: In der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1934 brannte die Tribüne ab. Die vermutete Brandstiftung konnte nie bewiesen werden. Der Feuerteufel suchte das Stadion im Juni 1968 ein zweites Mal heim. Diesmal wurde die Nordtribüne in Schutt und Asche gelegt. Auch hier blieb die Ursache unklar. An einem Wochenende im Juli 2008 besetzten Linksaktivisten die seit September 2007 nicht mehr gebrauchte Anlage. Sie hielten eine Gegenveranstaltung zur Euro 2008 ab, die sie wegen der angeblichen «Kommerzialisierung des Fussballs» geisselten. Nie ein Neubau Zu einem eigentlichen Neubau kam es in der 78-jährigen Geschichte des Stadions nie. Immer wieder wurden nur einzelne Tribünen neu erstellt oder teilsaniert. Entsprechend uneinheitlich sah das Stadion bisher aus. Anfang der 1950er Jahre stand zwar im Hinblick auf die Fussball- WM 1954 ein neues Stadion zur Diskussion. Für 8,9 Millionen Franken sollte es in der Nähe des bekannten Standorts gebaut werden. Nachdem das Stadtparlament die Vorlage angenommen hatte, verwarf sie die Stimmbevölkerung aber deutlich. Kommt das neue Stadion? Wann auf dem Areal nun ein neues Stadion gebaut wird, ist nach wie vor offen. Das Projekt für eine rund 350 Millionen Franken teure Fussballarena mit integriertem Shopping Center ist seit Oktober 2003 Gegenstand eines Rechtsstreites. (rw/sda) Erstellt: 04.12.2008, 12:28 Uhr